Das MAZ, die NZZ und die Sache mit dem "gestörten" Unterricht

Die NZZ über das MAZ und die neue Medienwelt:

"Dieser Tage gab es Rüffel. Die Direktion der Schweizer Journalistenschule MAZ schickte ihren Schülern einen Brief, weil sich mehrere Dozenten beschwert hatten. Die Aufmerksamkeit während des Unterrichts werde «zunehmend beeinträchtigt», heisst es darin." (Den ganzen Text "Digitales Delirium" gibt es bei der NZZ)

Der besagte Brief wies deswegen die Studierenden darauf hin, dass das Benutzen von Smartphones und Computern sowie das Essen während des Unterrichts nicht erwünscht sei.

Als MAZ-Dozentin (die übrigens nicht zu denjenigen gehört, deren Rückmeldungen zum MAZ-Schreiben führten) würde ich hier gerne etwas differenzieren:

  1. Wenn ich einen Social-Media-Kurs gebe, in dem (wie meist) lauter Marketing- oder Kommunikations-Verantwortliche und Direktions- oder Geschäftsleitungsmitglieder sitzen, dann irritiert mich gleichzeitiges Arbeiten am Computer nicht. Oft wird übrigens zeitgleich der Kurs via Twitter oder Facebook kommentiert oder es werden untereinander weiterführende Links ausgetauscht. Dies gehört zur neuen Medienwelt und meine Unterrichtsstrategie ist möglichst gut darauf ausgerichtet. Natürlich gibt es einige wenige, die nicht in der Lage sind, gleichzeitig Infos aufzunehmen und sie umzusetzen und dann gibt es immer wieder Ausnahmefälle, bei denen eine Krisensituation im Unternehmen die volle Aufmerksamkeit eines Einzelnen beansprucht.
  2. Wenn ich jedoch Lokaljournalisten oder journalistische Einsteiger unterrichte, dann befürworte ich die gleichzeitige Präsenz im Internet nur, wenn das Thema ebenfalls soziale Medien sind. Ansonsten achte ich darauf, dass während Schreib- oder Redigierübungen auch geschrieben oder redigiert wird. Der Brief wurde übrigens nur an die Teilnehmenden einiger Studiengänge im Journalismus versendet.
  3. Ich weise in den Schulungen immer darauf hin, was ich toleriere und was nicht. Und erkläre, weshalb ich in gewissen Situationen toleranter bin als in anderen. Diese Regeln werden sehr gut akzeptiert, nur selten muss ich Einzelne während des Tages daran erinnern.

Also, liebe NZZ: Diesen Rüffel generell zu behandeln, ist ebenso unbedacht und unreflektiert, wie generelle Online-Verbote, wie sie bei vielen Unternehmen und Organisationen noch an der Tagesordnung sind.

Und freche Frage: Ist bei euch Facebook eigentlich an jedem Arbeitsplatz uneingeschränkt zugänglich?

Freche Frage Nummer 2: Dass sich nicht jede Dozentin, jeder Studienleiter selber in der multimedialen Welt definieren und seine Definitionen durchsetzen kann, liegt das vielleicht daran, dass sich gerade Medienschaffende, insbesonders Journalistinnen und Journalisten bisher am stärksten gegen soziale Medien gesträubt haben und deshalb vor allem hier die Kompetenz im Umgang mit Facebook und Co. noch fehlt? Falls ja, dann wollt ihr dem MAZ doch nicht vorwerfen, dass es hauptsächlich mit typischen, stark in der Medienpraxis eingebundenen Journalisten arbeitet?

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