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Kein Tag ist wie der andere

Wyss Michael (1976), Redaktionsmitarbeiter beim «Anzeiger vom Rottal» und freischaffender Redaktor Raum Zentralschweiz. E-Mail: wyssmichi@hispeed.ch.
 
Wie sind Sie in den Journalismus eingestiegen?
Ich wurde Anfangs der 90er Jahre vom damaligen Fussball-Präsidenten des SC Emmen angefragt, ob ich Lust hätte, Berichte über den Verein in den Regionalzeitungen zu schreiben. Es wurde jemand gesucht, für die Pressearbeit. Ich war nicht abgeneigt und nach einigen Presseartikeln hat es mich gepackt und ich begann immer mehr zu schreiben. Es hat mich von Beginn weg fasziniert, das Schreiben. Später konnte ich dann auch noch Bilder machen. So entstand die Beziehung zum Journalismus. Konnte aus meinem langjährigen Hobby den Beruf machen.
 
Was lieben Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Dass ich immer wieder mit neuen Personen aus allen Berufsgattungen in Kontakt komme, aber auch aus dem Alltagsleben verschiedener Personen und Firmen berichten kann, ist faszinierend für mich. Die Vielfalt dieses Berufes ist sehr wichtig für mich. Jeder Tag ist nicht wie der andere. Ich weiss nie, was mich erwartet.
  
Welches ist die grösste Herausforderung im Journalismus?
Für mich persönlich sind es die Berichte in der Politik, mit dieser Materie bin ich nicht so vertraut. Habe aber in den letzten Wochen und Monaten aber auch in diesem Bereich viel Neues gelernt und mich in diesem Bereich auch weiterentwickelt. Ich finde es auch gut, wenn man über verschiedene Bereiche schreiben muss. Das ist wichtig für das geistige Niveau. Kann mir gut vorstellen, wenn man nur immer über dieselbe Materie berichtet, dass das sehr eintönig und langweilig werden kann. Und auch nicht unseren Beruf wiederspiegelt. Der Fotograf fotografiert auch nicht jeden Tag die gleiche Person, Gegenstand, Landschaft usw..
 
Mit welchen Strategien behalten Sie in Ihrem hektischen Alltag den Überblick?
Die Organisation ist die halbe Arbeit! Gut vorbereitet zu sein, macht vieles einfacher. Ruhe bewahren und geduldig bleiben, sich nicht selber stressen. Sonst kommt es nicht gut.
 
Wie kommen Sie zu guten Geschichten?
Auf der Strasse, in Einkaufsläden, am Stammtisch, in den Sportvereinen, an Veranstaltungen die ich besuche usw... Oder selber zum Telefonhörer greifen und bei Personen (Politik, Sport, Gesellschaft) gelegentlich nachfragen, ob es etwas Neues gibt, was die Leserschaft interessieren könnte. Oder wer hat was gehört, welcher Geschichte kann ich nachgehen und Recherche betreiben.
 
Über welches Thema würden Sie nie schreiben?
Muss eigentlich in meiner Funktion über alles schreiben. Bis jetzt wurde ich aber verschont vor Berichterstattungen über Verkehrsunfälle mit Verletzten und Todesopfern. Kann mir vorstellen, dass mir das etwas Mühe bereiten würde. Vor allem dann, wenn kleine Kinder in Unfälle mitinvolviert sind.
 
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren beruflich?
Immer noch im Journalismus, ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen, der so spannend ist. Vielleicht aber einmal in der Funktion als Redaktionsleiter, das wäre super. Ein Team zu führen und eine interessante Zeitung (täglich, wöchentlich) zu machen, das wäre sicherlich sehr reizvoll für mich und eine grosse Herausforderung.
 
Was empfehlen Sie Interessierten, die in den Journalismus einsteigen wollen?
Freude am Schreiben und Recherchieren muss vorhanden sein. Neugierig und hartnäckig, interessiert am Sportgeschehen, der Gesellschaft und Politik... Und auch bereit sein, am Abend länger zu arbeiten, genau so auch am Wochenende und an Feiertagen Einsatz zu leisten. Man kann sich die Arbeitszeiten nicht immer aussuchen, man braucht daher auch viel Flexibilität. Man wird auch mehr kritisiert als gelobt, es braucht daher eine dicke Haut. Für die Arbeit die man leistet, bekommt man sehr wenig Feedback zurück. 99 Berichte sind gut, 1 Bericht ist schlecht, dann hagelt es bereits Kritik. Aber über die anderen 99 Berichte, die gut waren, wird nicht gesprochen oder ein Lobeswort ausgesprochen. Sensibilität am Arbeitsplatz ist daher Fehl am Platz, sonst geht man unter in diesem Beruf. Selbstzerstörung! Man muss stark sein.
 
Was empfehlen Sie KMU, die sich Medienpräsenz wünschen?
Mit einer Publireportage in einer Zeitung aufmerksam auf sich zu machen, regelmässig Veranstaltungen (Ausstellungen, Tag der offenen Tür) durchführen, über Inserate in der Zeitung die Bevölkerung darüber informieren.