In vier Schritten zur eigenen Rhetorik
Rhetorik ist einer der Werte, die Sicherheit,Erfolg und Nachhaltigkeit schaffen. Und sie ist mehr als nur reden. ?Reden istim Grunde lautes Denken? erkannte schon Heinrich von Kleist; somit ist Rhetorikauch die Schule des Denkens. Sie ist also auch ganz praktische undalltagsorientierte Philosophie, in der Werteorientierung, Vernunft, Herz undVerstand als eine Einheit gesehen werden.
Im Gegenteil, es ist viel sinnvoller sich von denso genannten Methoden, Tools und Tricks zu trennen und die Auseinandersetzungmit sich selbst zu suchen. Eigene Charaktereigenschaften, Absichten und diepersönlichen Fähigkeiten auf den Prüfstand zu stellen und sich interaktiv damitauseinander zu setzen ist die bessere Alternative, um die individuellenMöglichkeiten zu erkennen und umzusetzen. Lässt man sich darauf erst einmal ein, stellt manschnell fest: Kein Lehransatz ist so vollständig und prägnant wie die Rhetorik.Kein anderes Thema - der sozialen Kompetenzen - achtet so auf dieAusgeglichenheit und Balance zwischen den beruflichen Belangen und den privatenInteressen. Sie kann zwischen Unternehmens-, Mitarbeiter- undGesellschaftsinteressen verbinden und zur gleichen Zeit fordern und fördern.Sie kann motivieren und führen. Was wäre nicht alles möglich? Diese Frage stellen sich immer mehr Unternehmer undManager, die neue Wege suchen, weil sie es satt haben sich der Pseudorezepte?noch schneller, noch effektiver, noch produktiver und noch effizienter? zubedienen. Auch möchten sie nicht länger die Buhmänner der Nation sein, dennegal was sie sagen, ihre Glaubwürdigkeit wird oft in Zweifel gezogen. Das ist die Chance der Rhetorik, denn nicht nurManager, auch gestandene Firmengründer, Berater oder Politiker, sie allebemühen sich, die Glaubwürdigkeit von einst wieder herzustellen. Sie haben aberauch erkannt, dass es längst nicht mehr nur noch Chefsache ist. AuchMitarbeiter gehören zu den Betroffenen, was sie im Umgang mit ihren Kunden zuspüren bekommen. Es ist eine Aufgabe für das gesamte Unternehmen, um sich fürdie Zukunft neu aufzustellen.
Die Absichten hinter dieser Forderung sind durchausvernünftig und längst überfällig und das nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht.Betrachtet man nämlich die aktuellsten Studien, muss man zu dem Urteilgelangen, dass die bisherigen Anforderungen und Strategien nicht immer richtiggegriffen haben.
Die jüngste Gallup-Befragung belegt, dass siebenvon zehn Arbeitnehmern keine echte Verpflichtung mehr der Arbeit und demArbeitgeber gegenüber empfinden. Die Folge: schwache Mitarbeiterbindung, hoheFehlzeiten, Fluktuation, keine Weiterempfehlung und Identifikation. Diesbedeutet einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 250 Milliarden Euro,ungefähr so viel wie der Bundeshaushalt 2001.
Das Ergebnis einer Studie in 30 Ländern mit 365Unternehmen zum Thema ?Werte und wirtschaftlicher Erfolg? fasst Booz AllenHamilton wie folgt zusammen: Gelebte Werte stellen eine unmittelbare Verbindungzum finanziellen (wirtschaftlichen) Erfolg dar.
Was wünschen sich Mitarbeiter? Nach einer Studievon UB Krauthammer hätten es 82 Prozent gern, dass ihre Manager spontan Fehlerzugeben und 75 Prozent möchten von ihren Chefs bei der Lösung von Problemeneinbezogen werden. Die Studie brachte aber auch ans Licht, dass jeweils nuretwa die Hälfte der Befragten ihre Wünsche vom Vorgesetzten erfüllt sehen. Sieben auf einen Streich? Wieder ein Fall für die Rhetorik. ObWerteorientierung, Kompetenz, Selbstsicherheit, Souveränität, Autorität,Einstellung und Motivation, wo noch können Sie ein Spektrum dieser Tragweiteerarbeiten. Neben der Werteorientierung als Grundlage werden Kompetenz,Sicherheit, Souveränität gefördert, was in eine gelebte Autorität mündet unddie wiederum ruft eine positive Einstellung hervor, was an Motivation nichtmehr zu übertreffen ist. Denn Rhetorik ist ein Ergebnis, das einer Ursache,nämlich dem Denken und Fühlen, folgt und nicht umgekehrt. Sie ist der Ausdruckund damit das Ergebnis der eigenen Motivation, Geisteshaltung, Einstellung,Lebensphilosophie und Wertevorstellung. Sehr schnell wird klar, dass dieRhetorik eine Menge leisten kann, denn sie wirkt auf den verschiedenstenEbenen. Entzauberte Rhetorik - ohne Tricksund Kniffe ?Das Komplizierte an der Rhetorik ist, dass sie soeinfach ist?. Wie bereits erwähnt benötigt sie keine Tools oder Methoden,sondern ist eine Auseinandersetzung mit sich selbst und das ist auch ihrErfolgsgeheimnis. Der Kern der Rhetorik ist nämlich Glaubwürdigkeitund Authentizität und das lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Die bestenRhetoriktechniken und Methoden sind nämlich die, die man sich selbst aneignet.Die, die man selbst entworfen und nach dem eigenen authentischen"Ich" ausgerichtet hat. Die Wege dahin sind ganz und gar nichtspektakulär, sondern sehr simpel und einfach. In 4 Schritten zur eigenen Rhetorik Für nicht wenige besteht der Sinn der Rhetorikeinzig und alleine darin eine Botschaft zu verpacken, nach dem Motto:"Rhetorik verpackt Inhalte". Genau dieses Verpacken aber macht es soschwierig ein guter und interessanter Rhetoriker zu sein, ja, es verfehlt sogarden Sinn der Rhetorik Um dem Sinn gerecht zu werden, muss das genaueGegenteil der Fall sein. Rhetorik muss auspacken, präsentieren und anbieten unddamit ist nicht nur der Inhalt einer Rede gemeint. Auch hat sie verständlich zusein, damit der Gesprächspartner/Zuhörer sehen und verstehen kann, welcheAbsicht hinter dem Tun steht und was erreicht werden möchte. Das Wort ?Sinn? ist doppeldeutig belegt und dieRhetorik bedient sich beider Definitionen. Sinn ? als Ziel, Zweck, Absicht,Wert, im Speziellen den Sinn der Rhetorik selbst. Sinn ? als Wahrnehmung ? ich sehe, höre, fühle undfasse. Der Sinn der Rhetorik hat vier Aufgaben zu erfüllen ? mehr nicht.
1.Schritt - Der Zuhörer muss Lust bekommenzuzuhören (Autorität) 2.Schritt - Der Zuhörer muss verstehen(Kompetenz) 3.Schritt - Der Zuhörer muss nachvollziehenund behalten (Sicherheit) 4.Schritt - Der Zuhörer muss nutzen undumsetzen (Souveränität) Dies überrascht viele, denn das klingt fast zueinfach, aber das ist so. Das ist nichtbesonders neu, denn schon Aristoteles schreibt ?Die bedeutendsteÜberzeugungskraft ist der Charakter, damit ist die Rhetorik die Beschäftigungmit Ethik? und er verweist auf die drei Faktoren Charakter ? Absicht ? Inhalt. Der Charakter, also die authentisch gelebten Werteund Tugenden alleine prägen die Glaubwürdigkeit des Einzelnen undzusammengenommen des gesamten Unternehmens. Der Absicht liegt ebenfalls dieWerteorientierung zugrunde und wird durch die Geisteshaltung zur Sache und demGegenüber ergänzt, was auch unter Image und Kundenbindung verstanden werdenkann. Zuletzt ist es die Kompetenz des Inhalts, also die Art und Weise (ggf.auch die Fähigkeit) Wissen und Informationen zu kommunizieren. Rhetorik ist die fundamentalste Allgemeinbildung,die der Mensch haben kann.
Fazit: Fortschrittliche Unternehmen haben erkannt,dass sie zukunftsorientierte, motivierte, authentische und werteorientiertePersönlichkeiten benötigen, um einen nachhaltigen Erfolg zu erlangen. Diesemneuen Anspruch gerecht zu werden, ist die Herausforderung in naher Zukunft. Den Schlüssel dazu bietet eine werteorientierteRhetorik. Denn Mitarbeiter und Kunde müssen erreicht und glaubwürdig überzeugtwerden. Das ist einer der Gründe dafür, warum Rhetorik mehr und mehr als diefundamentalste Weiterbildung verstanden werden kann.
Lesetipp Oliver Groß, "Einfach gesagt ? Wie Sie mit RhetorikMenschen für sich gewinnen und überzeugen",BusinessVillage, Göttingen 2008,120 Seiten, zahlr. Illustrationen,ISBN 9783938358740, 21,80?. Hier bestellen.
Über den Autor Oliver Groß gehört zu den eindrücklichenRhetoren unserer Zeit. Mit seiner Philosophie "Ich verbinde, was anderetrennen" eröffnet sein Ansatz aus Rhetorik und Werteorientierung neue Wege einer authentischen Kommunikation.
VonOliver Groß
Deshalb ist der Rhetorik und demrhetorischen Können Unrecht getan, wenn man sie nur auf das Reden undÄußerlichkeiten reduziert. Damit würde man die vielfältigen Möglichkeiten derRhetorik und das Potenzial des Einzelnen begrenzen und nicht in der Gänzeausschöpfen können. Sie ist auch keine mathematische Formel nach dem Motto: Gutaussehen, lässig und kompetent wirken wollen, schlagfertig agieren und seineMeinung so anbringen, dass der Andere nur noch zustimmt = souverän undselbstsicher. Auch wenn das noch so viele Methoden versprechen, es funktioniertnicht. Es gibt weder ?die Rhetorik? noch ?die Methode? als letztendliche undallgemein gültige Lehre.
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