Kreativ, professionell und logisch-systematisch denken
Denken kann jeder Mensch. Die Frage ist nur: Was gehteigentlich in unserem Kopf vor, wenn wir denken? Denn ständig müssen wir im JobProbleme lösen und Ideen entwickeln, doch selten machen wir uns Gedanken darüber,wie wir denken. Schule, Ausbildungund Studium vermitteln uns in der Regel logisch-analytische Denkweisen, diesich zweifelsohne in der beruflichen Praxis als nützlich erweisen. LogischesDenken ist jedoch nur eine von vielen Möglichkeiten, unseren Verstandeinzusetzen. Laterale, kreative und vernetzte Denkstrukturen sind in einerkomplexen (Arbeits- )Welt ebenfalls wichtig, um Aufgaben erfolgreich zu lösen.Wenn Denken kreativ, professionell und logisch-systematisch sein soll, können bestimmte Techniken und Vorgehensweisen hilfreichsein, um individuelle Denkprozesse bzw. das Denken einer Gruppe/eines Teams zuverbessern.
Trenne Ideensuche von Ideenbewertung
Die Kreativitätsforschung weist seit Jahrzehnten daraufhin, dass kreatives Denken zwei unterschiedliche Phasen durchlaufenmuss, um erfolgreich zu sein: Ideensuche und Ideenbewertung. Beide Phasen sind wichtig, sie sollten allerdingshintereinander – also zeitversetzt – und nicht gleichzeitig zum Einsatz kommen.Die strikte Trennung von Ideensuche und Ideenbewertung kannman durchaus als „Grundregel der Kreativität“ bezeichnen. Die Umsetzung dieserRegel stößt jedoch immer wieder auf große interne wie externe Widerstände. Faktist, dass wir häufig unsere eigenen Ideen erst gar nicht zu Ende denken, weilwir sie entweder für völlig absurd oder bedeutungslos erachten – unser Zensorim Kopf funktioniert recht gut! Hinzu kommt, dass viele Menschen imBerufsalltag die Erfahrung machen, dass ihre Meinungen und Vorschläge seltengefragt sind. Mal sind es die angeblichen Sachzwänge, die Neuerungenverhindern, mal blockt der Vorgesetzte eine Idee ab oder ein Kollege reagiertgleichgültig auf eine sinnvolle Verbesserung. Orientiert man sich allerdings ander o.g. Grundregel, dann bedeutet dies, dass man sich in der IdeenspinnphaseZeit nehmen sollte, um Aufgaben und Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln zubetrachten und zunächst viele Einfälle zu sammeln. Wenn eine Idee entsteht, istes für den kreativen Prozess tödlich, diese Idee just zu diesem Zeitpunktkritisieren zu wollen. Analyse und Bewertung sind bei der Ideensuche fehl amPlatz. Kritik ist wichtig, doch findet sie später statt und orientiert sichzudem an bestimmten Bewertungskriterien wie Effizienz, Originalität u.a.
Schärfe deine Wahrnehmung mit Hilfe von Denktools
Wenn Denken optimiert werden soll, genügt es oftmalsnicht, Ideen zu „brainstormen“ und anschließend zu evaluieren. Die Anwendungspezieller Denktools kann in diesem Zusammenhang einegroße Hilfestellung sein. Es handelt sich dabei um kleine Werkzeuge, die primärdazu dienen, unsere Wahrnehmung zu schärfen. Dr. Edward de Bono, ein bekannter Kreativitätsforscher,hat dazu einen „Werkzeugkoffer“ entwickelt, der verschiedene Instrumentebeinhaltet. Ein bekanntes Tool heißt beispielsweise PMI, das dazu animiert,eine Problemstellung unter drei Blickwinkeln zu betrachten:
- P steht für: Was sind diepositiven Seiten des Problems?
- M steht für: Was sind dieMinus-Aspekte?
- I steht für: Was sind dieinteressanten Aspekte?
Zunächst wird drei Minuten lang über das Plus nachgedacht, dann wird im Anschluss drei Minuten über dasMinus reflektiert und schließlich giltes, innerhalb von drei Minuten mögliche interessantePunkte des Themas aufzulisten. Während des Denkens sollte manalle Ideen aufschreiben, diskutieren ist nicht erlaubt, und es darf auch nichtzwischen den drei Kategorien hin und her gesprungen werden. Erst nach jeweils drei Minuten wird die Perspektive gewechselt.Neben PMI gibt es auch noch AGO, C & S, APC und einige andere Tools, diesich einzuüben lohnen. Die gute Nachricht dazu lautet: Alle Denkwerkzeuge sindleicht zu erlernen und helfen dabei, unsere gedankliche Routine zu verlassenund neue Ideen zu generieren.
Betrachte logisches Denken und Querdenken als Einheit
Wenn Lösungen für komplexe Aufgaben gesucht werden, orientieren sich viele Einzelpersonen und Unternehmen an Planungsinstrumenten, die häufig folgenden Ablauf umfassen:
- Analyse der Ausgangssituation
- Festlegung der Ziele
- Festlegung der Maßnahmen Festlegung der Mittel
- Durchführung des Maßnahmen- und Mittelkatalogs
- Evaluierung der Resultate
Es geht also zunächst um eine konkrete Problemerkennung, um eine Problemdefinition. Daraus folgend werden Ziele definiert und festgelegt. Eine intensive Ideensuche – oft gekoppelt mit verschiedenen Testversuchen – sollte in einer Lösungsfokussierung enden, die dann wiederum zu einer konkreten Entscheidung führt. Die Erstellung eines Umsetzungsplans bildet im Idealfall den krönenden Abschluss eines Problemlösungsprozesses. So wichtig diese strukturierte Vorgehensweise auch ist, so sinnvoll ist es jedoch auch, Querdenk- und Kreativmethoden wie Kopfstand, Bisoziation, Scamper, 6 Hüte-Methode u.a. zusätzlich zu berücksichtigen. Denn nur wer logischanalytische Instrumente und kreative Denktechniken als Ergänzung statt als Widerspruch begreift, kann die eigene geistige Fitness bzw. das geistige Potenzial einer Gruppe/eines Teams optimal ausschöpfen.
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