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Mit Netzwerken zum Erfolg

Früher nannte man das Filz, Klüngelei oder umgangssprachlich Vetterliwirtschaft. Heute betitelt man es modern als Personal Marketing, Personal Networking oder ausgedeutscht als professionelles Netzwerken. Diese Günstlingswirtschaft hat nicht nur die unangenehm behafteten Namen verloren, sondern dazu gleich den schlechten Ruf. Weil heute überall aktiv genetzwerkt und auch darüber gesprochen wird, ist aus der ehemals geheimnisumwitterten Tätigkeit ein üblicher Karrierebeschleuniger geworden.
 

So netzwerken Sie richtig

 
Laut aktuellen Studien werden etwa in Deutschland bereits 40 Prozent aller Stellen durch persönliche Empfehlungen vergeben. Banken und Konzerne führten in den letzten Jahren sogar Vermittlungsprogramme ein, bei denen Mitarbeitende mit Provisionen belohnt werden, wenn sie geeignete Fachleute empfehlen und es zu einer Anstellung kommt. Bei der Vergabe von Mandaten und Aufträgen an Dienstleister siehts nicht anders aus.
 
Wenn Emotionen entscheiden
Die Bedeutung von Networking nimmt also zu. Und schuld daran sind die Softfaktoren. Diese kleinen, nebelhaften Bestandteile unseres Seins, die über Sympathie oder Antipathie entscheiden. Auch wenn man sich noch so gerne glauben würde, allein fachliche Fähigkeiten, ein flottes Auftreten oder ein toller Kundendienst bestimmten den Erfolg. Schlussendlich ist entscheidend, ob man zueinander passt. Davon sind auch Personaler und Entscheider von Unternehmen überzeugt. Für wichtige Positionen oder Aufträge kommen deshalb oft nur Menschen in Frage, die man bereits kennt. Fachkräfte aus dem Bekanntenkreis zu rekrutieren, ist für viele der sicherste Weg, Mitarbeitende zu finden, bei denen die Chemie stimmt und die dem Unternehmen loyal verbunden sind.
 
Wo netzwerkt man am besten?
Doch wie lernt man als Dienstleister oder Stellensuchende Entscheidungsträger kennen? Zum einen durch aktives Netzwerken. Networking ist jedoch nur erfolgsversprechend, wenn es sorgfältig geplant wird und zwar massgeschneidert auf die eigenen Karrierewünsche oder Unternehmensziele. Wer sich in einer spezifischen Branche einen Namen schaffen will, konzentriert sich auf Networking an Anlässen dieser Branche. Wer unabhängig von Branche oder Zielgruppe weiterkommen möchte, netzwerkt am besten an Verbands- oder Alumni-Veranstaltungen, wo sich aktuelle und zukünftige Entscheidungsträger aller Fachrichtungen tummeln. Und wer mit dem Gedanken spielt, die Branche zu wechseln, besucht Veranstaltungen ebendieser zukünftiger Zielgruppen.
 
Netzwerksünden
Zeitmangel ist garantiert die beste Ausrede für Netzwerkmuffel. Denn professionelles Netzwerken bedingt nicht nur Karriere- und Lebensplanung, sondern auch gutes Zeitmanagement. Kontakte sind zwar meist schnell geknüpft, sie aufrecht zu erhalten braucht aber Zeit. Sei es für die physische Präsenz am monatlichen Alumni-Stammtisch oder für Freundschaftsdienste. Auch beim Netzwerken gilt nämlich: Ohne Leistung keine Gegenleistung. Networking funktioniert nur dann reibungslos, wenn beide Parteien sich gegenseitig etwas zu bieten haben. Entweder eine ausgeprägte Sympathie zueinander oder Wissen, Beziehungen und Eigenschaften, die dem anderen nützlich sind. Bei neuen Kontakten soll man unbedingt die Bedürfnisse des Gegenübers ausloten und nicht nur daran denken, wie man selber am meisten profitiert. Das lohnt sich spätestens zu dem Zeitpunkt, da man erfolgreich den ersten Kontakt geschlossen und die Visitenkarten ausgetauscht hat. Frischt man nämlich den Kontakt nach einer gewissen Zeit nicht auf, geht er ein.
 
Zuerst geben, dann nehmen
Kontaktpflege umfasst etwa, den neuen Bekannten Artikel zuzusenden, die sie interessieren könnten, sie auf Konzerte ihrer Lieblingsgruppe hinzuweisen oder ihnen zum Geburtstag zu gratulieren. Je besser man sein Gegenüber im ersten Gespräch kennen lernt, umso einfacher ist demzufolge der Kontakt zu pflegen. Einen Kontakt zu pflegen heißt aber niemals, sich dem anderen aufzudrängen. Warnsignale wie Funkstille nach Kontaktaufnahme darf man nicht ignorieren, auch hier sind wieder Softfaktoren wie etwa Einfühlungsvermögen gefragt.
 
Netzwerken im Web
Eine aktuelle Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, zu pflegen und sein Gegenüber besser kennen zu lernen, sind virtuelle Netzwerkplattformen. Die bekannteste ist wohl Xing, ehemals Open BC. Die Porträts der Mitglieder umfassen nicht nur sachliche Informationen, sondern bieten auch persönliche Anknüpfpunkte wie Hobbies, Geburtsdatum und Ausbildungswege. Erfolgreiche Netzwerkende beschränken sich aber nicht darauf, online in Kontakt zu bleiben, sondern treffen ihre Online-Bekanntschaften möglichst oft persönlich. Auch im Internet-Zeitalter netzwerkt man also effizienter in direktem Kontakt. Daran sind wohl ebenfalls die Softfaktoren schuld, die online nicht hinreichend ins Spiel kommen.
 
Links einiger Netzwerk-Plattformen
 
 
Literaturtipps
· ?Erfolgsstrategie Networking? von Monika Scheddin
· ?Praxisbuch Networking? von Andreas Lutz
· ?Karrierefaktor Networking. Gestalten Sie Ihr Karriere-Netzwerk? von Ulrike Rudolph
· ?Kontakte knüpfen und beruflich nutzen. Erfolgreiches Netzwerken? von Gudrun Fey
· ?Erfolgsfaktor Networking? von Uwe Scheler

Die acht Schritte zum professionellen Netzwerker

  1. Sich seine eigenen Stärken und Schwächen ins Bewusstsein rufen, allfällige Mankos (auch betreffend Networking) aufarbeiten.
  2. Berufliche oder geschäftliche Zukunft planen. Was will ich überhaupt?
  3. Prioritäten setzen. Nur diejenigen Netzwerkmöglichkeiten angehen, die zum Karriereziel hinführen.
  4. Netzwerk-Aktivität konkret planen: Veranstaltungsbesuche festlegen, einem Verband oder Verein beitreten, sich in virtuellen Netzwerken eintragen.
  5. Kontakte knüpfen und Gespräche suchen. An Veranstaltungen auf etwas locker wirkende Grüppchen achten oder beim Buffet Erstkontakt herstellen.
  6. Das Gegenüber kennen lernen und Gemeinsamkeiten oder Ergänzungen aufspüren.
  7. Visitenkarten tauschen.
  8. Mit viel Feingefühl den Kontakt pflegen.

Die sechs schlimmsten Netzwerksünden

  1. Jede Chance zu ungezwungener Kontaktaufnahme völlig verpassen
  2. Bei jeder anstehenden Veranstaltung den inneren Schweinehund siegen lassen und sich mit einem Bier vor den Fernseher klatschen
  3. Sich taktlos, grossmäulig und selbstverliebt jedem aufdrängen
  4. Stoppsignale wie Funkstille oder Absagen beharrlich missachten
  5. Nur den eigenen Nutzen sehen und die Bedürfnisse seines Gegenübers ignorieren
  6. Sich in viel zu vielen Netzwerkprojekten verzetteln und darüber seine Arbeit oder noch schlimmeres vernachlässigen