22 Tipps zur deutschen Rechtschreibung von Claudia Scherrer
Verfasst von Gast am 18. Juli 2006 - 12:38
So schreiben Sie gemäss der neuen deutschen Rechtschreibung korrekt:
Wortstamm berücksichtigen
Die Rechtschreibereform basiert auf drei Säulen: dem Wortstammprinzip, der Grossschreibung und der Getrenntschreibung. Der Wortstamm bedeutet das wichtigste Wort in einer Gruppe. Zum Beispiel Tag in tagen, täglich, betagt, Tagung etc. Dieser Wortstamm wurde aufgewertet. Ein Wort folgt nun immer in der Schreibung dem Wort, dem es zugeordnet werden kann. Daraus entstehen diese neuen Wörter: nummerieren von Nummer, platzieren von Platz, substanziell von Substanz. Ausserdem gibt es jetzt auch das Ass, den Tollpatsch oder auch essenziell.
Die Rechtschreibereform basiert auf drei Säulen: dem Wortstammprinzip, der Grossschreibung und der Getrenntschreibung. Der Wortstamm bedeutet das wichtigste Wort in einer Gruppe. Zum Beispiel Tag in tagen, täglich, betagt, Tagung etc. Dieser Wortstamm wurde aufgewertet. Ein Wort folgt nun immer in der Schreibung dem Wort, dem es zugeordnet werden kann. Daraus entstehen diese neuen Wörter: nummerieren von Nummer, platzieren von Platz, substanziell von Substanz. Ausserdem gibt es jetzt auch das Ass, den Tollpatsch oder auch essenziell.
Wortstamm berücksichtigen
Bereits letztes Mal habe ich über den Wortstamm geschrieben (Tag in tagen, täglich, betagt, Tagung etc). Die Aufwertung des Wortstammes drückt sich auch in der Umlautschreibung (ä, ö, ü, äu etc.) aus. Ein Wort folgt nun dem Wortstamm durch Umlautschreibung. Daraus entstehen diese neuen Wörter: Bändel aus Band, schnäuzen aus Schnauz, Stängel aus Stange, Gräuel aus grau. Ausserdem gibt es jetzt auch behände, Gämse, belämmert, Quäntchen oder auch überschwänglich. Ein Wort gibt es in zwei gleichwertigen Varianten: aufwändig und aufwendig. Aufwändig kommt dann vom Wortstamm Aufwand, aufwendig von aufwenden.
Zusammensetzungen mit drei gleichen Buchstaben
In der neuen deutschen Rechtschreibung bleiben in Zusammensetzungen drei gleiche, aufeinander treffende Buchstaben immer alle erhalten. So schreibt man jetzt Schifffahrt, Schritttempo und auch Teeei. Hier ist Tee-Ei einfacher zu lesen. Wörter mit Bindestrichen sind erlaubt und werden auch häufiger gebraucht. Von dieser Regel ausgeschlossen sind Wörter, die nicht mehr als Zusammensetzungen betrachtet werden, wie Mittag, dennoch und Drittel.
Die Verdopplung des Ps
Zu den Verben tippen, stoppen gibt es jetzt auch die Nomen Tipp und Stopp. Nach dem Wortstammprinzip werden diese angepasst. Auf Verkehrsschildern steht weiterhin Stop. Ein Journalist hat berechnet, dass im deutschsprachigen Raum 2,3 Milliarden Stop-Schilder stehen! Eine Anpassung hätte finanzielle Folgen, die weit über den Sinn dieser Massnahme hinausgehen würden.
Die spannenden Einzelfälle
Mit der Reform gab es Anpassungen an bereits etablierte Regeln. Analog zu blau, grau wird heute rau geschrieben. Auch beim Känguru ging ein -h verloren. Dafür bleibt nach der Endung -heit ein vorangehendes -h- konsequent nach dem Wortstammprinzip erhalten. Also heisst es nun Rohheit und Zähheit. Selbstständig besteht aus zwei Worten und hat deshalb neu zwei -st-. Das Wortstammprinzip würde eigentlich fordern, dass aus dem Wort Eltern Ältern wird. Hier hatte die Reformkommission ein Einsehen: Niemand will gerne Ältern genannt werden. Deshalb bewilligte sie einen Zusatzparagrafen ? das Wort Eltern bleibt uns erhalten.
Umstrittene Eindeutschungen
Am heftigsten wurde in der Reform um die so genannten Eindeutschungen gekämpft. Das Portmonee oder auch die Majonäse sind uns ein Gräuel. Da in der Schweiz Französisch eine Landessprache ist, behalten wir unsere Extrawurst und bleiben nach wie vor bei Portemonnaie und Mayonnaise. Was wir jedoch nicht umgehen können, sind die Anpassungen bei Hobbys oder Partys. Diese zählen nicht mehr als englische Fremdwörter und werden deshalb nicht zu ?ies geändert.
Das Telephon gibt es nicht mehr
Alte Zöpfe werden abgeschnitten. Neu wird das -ph- in -phon-, -phot- und -graph- zu f. So schreibt man jetzt Megafon, Fotograf und auch Telefon ganz legal mit f. Ausserdem werden einige wenige andere Wörter wie Fantasie, Delfin angepasst.
Die Fonetik hat Auswirkungen
Alte fonetische Regeln wurden gekippt. Vereinzelt werden -th- zu -t- in Panter und Tunfisch. Auch altgriechische Wörter werden angepasst. So werden -rrh zu ?rr wie in Katarr und Myrre. Dies sind Ausnahmen. Alle anderen Wörter bleiben erhalten: Theater, Mathematik, Rhythmus.
Die hilfreiche Getrenntschreibung
Die Reform ist auf drei Säulen aufgebaut. Erstens das Wortstammprinzip, (von der Nummer zu nummerieren), zweitens die Getrennt- und als Drittes die Grossschreibung. Bei der Getrenntschreibung geht es vor allem um das einfachere Lesen. Um die Lesbarkeit zu verbessern, wird vieles neu getrennt geschrieben. Zwei aufeinander folgende Verben werden ausnahmslos getrennt: fallen lassen, bestehen können, sitzen bleiben.
Die hilfreiche Getrenntschreibung
Fast immer werden Kombinationen von Nomen und Verb getrennt geschrieben, wobei das Nomen grossgeschrieben wird: Eis laufen, Auto fahren und Fussball spielen. Nicht getrennt werden Verbindungen mit einem verblassten Nomen, z. B. stattfinden und teilnehmen. Untrennbare Zusammensetzungen werden weiterhin beieinander gelassen: Sie schlussfolgerte oder wir bergsteigen (nicht: wir steigen Berg).
-ig, -isch und -lich, die trennt man wirklich
Endet ein Adjektiv auf -ig, -isch oder -lich, so wird es immer vom folgenden Verb abgetrennt. Deshalb schreibt man fertig machen, frisch streichen oder bläulich anlaufen. Dieselbe Regel gilt auch für Adjektiv und Adjektiv oder Adjektiv und Partizip: fertig lustig, gelblich grün, neidisch geschaut.
Steigerbares abtrennen
Die heutige Regel ist ein bisschen schwieriger zu erklären. Verbindungen aus Adjektiv und Verb werden getrennt geschrieben, wenn das Adjektiv steigerbar oder mit sehr und ganz erweiterbar ist. Als Beispiele: klar sehen, nahe liegen.
Diese Regel bedeutet aber auch, dass gewisse Verben sowohl getrennt als auch zusammengeschrieben werden können. Krank machen: Der Lärm macht Sie kränker als mich. Krankschreiben: Ein Arzt kann Sie nur einmal krankschreiben, kränker schreiben gibt es nicht. Weitere Beispiele:, fern sehen (in die Ferne sehen) und fernsehen (TV schauen), gross schreiben (mit grossen Buchstaben schreiben) und grossschreiben (der erste Buchstaben in einem Nomen wird grossgeschrieben: N in Nomen).
Es gibt auch Verben, die sind überhaupt nicht trennbar, wie zum Beispiel blossstellen, festlegen oder bereitlegen.
Adverbien vom Verb abtrennen
Es gibt einige wenige, längere und eher altmodische Adverbien, die neu vom Verb getrennt geschrieben werden. Beispiele sind beiseite legen, daheim bleiben, vorlieb nehmen, zustatten kommen, abhanden kommen, zugute halten, überhand nehmen. Ebenso werden alle Kombinationen mit Adverbien getrennt, die auf ?ander oder ?wärts enden: aneinander reihen und abwärts laufen.
Partizipien immer abtrennen
Klar geregelt wurde die Abtrennung von Partizipien. Ist der erste Bestandteil einer Wortkombination ein Partizip, so wird es immer abgetrennt: leuchtend gelb, kochend heiss, gellend laut oder auch schreiend ungerecht. Es wird ebenfalls immer getrennt geschrieben, wenn der erste Bestandteil auf -ig, -isch oder -lich endet: riesig gross, bläulich grün und mikroskopisch klein.
Noch mehr abtrennen: Zahladverbien
Wenn so, wie und zu als Zahladverbien verwendet werden, werden sie getrennt geschrieben. Zum Beispiel wie viele, so viel, zu wenig, allzu oft. Nach wie vor zusammengeschrieben wird ?solange ich denken kann?.
Alles klar bei irgendjemandem
Die Reform hat mit einem Knackpunkt aufgeräumt. Jetzt gibt es keine Diskussionen mehr: Sämtliche Verbindungen mit irgend werden zusammengeschrieben: irgendjemand, irgendetwas, irgendwann, irgendwie, irgendwo und so weiter. Nur durch eine Erweiterung mit so kann diese Regel gebrochen werden: irgend so etwas.
Hauptworte immer gross
Nomen (Hauptworte) werden immer grossgeschrieben. Vor allem in Verbindungen mit Verben wird nun konsequent die Grossschreibung angewandt: Pleite gehen und auch noch Schuld haben, da kann er einem Leid tun. Einzige Ausnahme ist das Verb ?sein?. In Verbindung mit ?sein? werden Nomen als Adjektive betrachtet und daher immer kleingeschrieben. Es ist klar, pleite sein und auch noch schuld sein, das kann einem schon leid sein.
Reformierte Tageszeiten
Bei den Tageszeiten hat die Reform positive Zeichen gesetzt. Jetzt ist es ganz klar: Bei Verbindungen mit vorgestern, gestern, heute, morgen und übermorgen wird die zweite Tageszeit grossgeschrieben: Er ist heute Morgen müde, weil er gestern Abend zu spät ins Bett ging.
Nominalisierte Ordnungszahlen
Neu werden nominalisierte Ordnungszahlen grossgeschrieben: jeder Zweite, der Nächste, der Einzelne, als Erstes. Ebenso wird nach unbestimmten Zahladjektiven grossgeschrieben. Nämlich: etwas Besonderes, viel Interessantes, nichts Neues, alles Weitere, als Ganzes.
Feste Begriffe neu klein, Titel immer gross
Bei Eigennamen hat es zwei grosse Änderungen gegeben. Feste Begriffe werden kleingeschrieben, wie das schwarze Brett oder die erste Hilfe. Hier gelten die ersten Teile als Eigenschaften und nicht mehr als fester Begriff. Bei der ersten Hilfe ist wirklich derjenige gemeint, der als Erster vor Ort ist.
Dafür werden nun Titel (der Heilige Vater, der Technische Direktor) und Klassifizierungen in Botanik und Zoologie (die Weisse Lilie, der Rote Milan), Kalendertage (der Heilige Abend), Ereignisse (die Französische Revolution) und Epochen (die Goldenen Zwanziger) grossgeschrieben. Im katholischen Glauben ist es erst möglich, heilig gesprochen zu werden, wenn man tot ist. Es gibt keine lebenden Heiligen. Also kann der Papst nicht heilig sein und der Name: der Heilige Vater ist ein Titel und keine Eigenschaft.
Sie gross, du klein
Eine der ganz grossen Änderungen ? auf den ersten Blick erkennbar ? stellen die Anredepronomen dar. Nur noch die Höflichkeitsform ?Sie? wird in allen Varianten grossgeschrieben: ?Sie finden Ihre Unterlagen auf Ihrem Pult.? Das vertrauliche ?du?, ?ihr?, ?dein?, ?euer? wird kleingeschrieben. Sobald die Form überzeichnet wird, ist klar weshalb: ?Liebe Grüsse, dein Schnuckiputzi!?
Die interessanten Ausnahmen
Ich habe oft von der Konsequenz der neuen deutschen Rechtschreibung geschrieben. Sobald ein Wort als Nomen (Hauptwort) identifiziert ist, wird es grossgeschrieben: Das Gute, die Nachfolgenden, der Schwarze. Hier kommen die Ausnahmen: Die Wörter eine, andere, viel, wenig, meisten, mancher werden immer kleingeschrieben. Auch wenn es heisst ?der eine oder die andere, die beiden konnten ...?
Altmodische Gefüge neu geschrieben
Die heutige Regel tönt kompliziert: Nomen, die mit Präpositionen ein festes Gefüge bilden, aber mit diesen nicht zusammengeschrieben werden, schreibt man gross. Dafür sind die Beispiele einfach: in Bezug auf, in Stand setzen, zu Grunde liegen, ausser Acht lassen, in Frage stellen, zu Tage fördern, im Grunde genommen. Diese altmodischen Wörter sollten Sie jedoch in moderner Korrespondenz nicht mehr verwenden.
Klare Sprachbezeichnungen
Die Reform ist in manchen Regeln umstritten. Einige sind dafür umso beliebter und praktischer. Geregelt ist jetzt das Chaos um Sprachbezeichnungen. In Verbindung mit Präpositionen schreibt man gross: Sich auf Französisch unterhalten. Nach wie vor kleingeschrieben werden Eigenschaftswörter (Wie?): englisch sprechen.
Heiss geliebter Bindestrich
Eine meiner Lieblingsregeln betrifft den Bindestrich. Der darf neu gesetzt werden, um einzelne Bestandteile hervorzuheben, unübersichtliche Zusammensetzungen zu gliedern oder bei drei gleichen, aufeinander treffenden Buchstaben: Ich-Sucht, Leichtathletik-Länderkampf und Tee-Ei.
Viel weniger Regeln
Die Grammatikregeln wurden von über 200 auf knapp 130 gekürzt. Viel dazu beigetragen haben die Kommaregeln (von 37 auf 8 zusammengestrichen!). Neu gibt es Kommas, die dürfen Sie setzen- Sie müssen aber nicht ? diese Kommas sind neu freiwillig. Hier die Beispiele: Ich schreibe am Pult(,) und das Telefon klingelt. Etwas Schlimmeres(,) als den Auftrag zu verlieren(,) konnte ihm nicht passieren. Vor Anstrengung keuchend(,) erreichte der Läufer das Ziel. Er kam(,) von der Arbeit müde(,) heim.
Das neudeutsche Erkennungszeichen
Es gibt ein einfaches Mittel, um einen neudeutschen Text von einem altdeutschen zu unterscheiden. Nach der direkten Rede wird konsequent mit Kommas abgetrennt. Hier die Beispiele: "Willst du es?", fragte sie. Sie sagte: "Ich komme gleich wieder!", und verschwand.
Der verlorene Apostroph
Sicher ist es Ihnen auch schon aufgefallen. Manchmal braucht es keinen Apostroph mehr. So beim ausgelassenen Schluss-e eines Verbs (Das glaub ich dir!) oder beim kurzen ?es? (Mir gehts gut!). Für sonstige Auslassungen braucht es einen Apostroph (Ku'damm für Kurfürstendamm). Auch beim Genitiv bleibt der Apostroph erhalten: Yves' Velo.
Trennen wird einfacher
Die Reform hat auch die Trennregeln vereinheitlicht. Dabei wurde eine grosse Konzession an den Computer und den Lauftext gemacht: Die k-k-Trennung von Wörtern mit -ck- ist ersatzlos gestrichen worden. Genau wie -ch- und -sch- wird -ck- neu nicht mehr getrennt. Fä-cher, Fla-sche, ba-cken. Jetzt dürfen auch -s-t- und -s-p- getrennt werden: Fens-ter und Wes-ten.
Unschön, aber möglich: Einzelne Vokale abtrennen
Die Trennregeln wurden weiter vereinfacht. Neu dürfen Sie einzelne Vokale abtrennen: a-ber, o-ben. Und Fremdwörter können nach Sprechsilben getrennt werden: Mag-net oder Ma-gnet, her-ein oder he-rein, be-ob-ach-ten oder be-o-bach-ten. Beide Varianten sind gleichberechtigt richtig.
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