Macht-Verschiebung
Verfasst von Daniela A. Caviglia am 14. August 2006 - 9:35
Seit langem gelten die Medien als Gewissen der Nation. Eine ihrer Aufgaben ist es, Machtmissbräuche in Wirtschaft und Politik aufzudecken und die Öffentlichkeit aufzuklären. Doch diese Aufgabe erfüllen Massenmedien von Tag zu Tag schlechter.
Da schleichen ganze PR-Videos als redaktionelle Berichterstattungen getarnt in Nachrichtensendungen, da werden Firmen mit angekratztem Image professionell «grün gewaschen» und die Zeit für Recherchen wird in den Redaktionen noch knapper.
Dass dennoch zahlreiche Täuschungen auffliegen, ist einem eher jungen Zweig der Informationsbranche zuzuschreiben. Jüngst deckten Blogger auf, dass Kriegsbilder aus dem Libanon der Nachrichtenagentur von Reuters vom Fotografen manipuliert worden waren. Und immer mehr treten Watchblogs, Blogs, deren Betreiber besonders gut beobachten, als ethische Hüter auf. In den USA sind nicht nur medienkritische Watchblogs viel beachtete Meinungsbildner, sondern auch solche, welche die höllisch (gut?)en Kundendienste von Unternehmen dokumentieren.
Wie gesagt, in den USA geniessen Medien-Watchblogs bereits hohes Ansehen und teilweise gar höhere Beachtung als das kritisierte Medium. In den deutschen Ländern wachsen vergleichbare Blogs erst heran. Dennoch weisen sie bereits ausreichend Bekanntheit auf, um von den traditionellen Medien wahrgenommen werden. «Die bequemen Zeiten sind vorbei ? im Internet überwachen Watchblogs etablierte Medien» titelte am 14. August die «Berliner Zeitung» und nennt die zwei Vorreiter spiegelkritik.de und bildblog.de. Beide Blogs befassen sich ausschliesslich mit den Unwahr- und Unklarheiten der deutschen Zeitschriften «Spiegel» und «Bild». Doch auch im Internet ist nicht alles wahr, was veröffentlicht ist. Und erwartungsgemäss überlegen sich findige Kommunikatoren, wie sie die neuen Gefässe für sich nutzen können. «Glaubwürdigkeit von Weblogs in Gefahr» schrieb Pressetext Deutschland am 7. August und berichtet über Unternehmensblogs, mit denen die weltweite Blogcommunity gezielt gefüttert wird.
Wer langfristig von Täuschung und Manipulation verschont bleiben will, dem bleibt also weiterhin nichts anderes übrig, als alle Informationen mit einer gesunden Skepsis zu betrachten. Oder es wie in den guten alten Zeiten des Mehrquellen-Journalismus zu handhaben: Mehrere Aussagen zusammentragen, einander gegenüberstellen und sich selber eine Meinung bilden. Davor werden uns auch in Zukunft keine technischen Entwicklungen bewahren. Zum Glück!
Ihre Daniela A. Caviglia
-

- Seite drucken
- 806 Mal aufgerufen
- Per E-Mail versenden
