pd*. Der Verein Qualität im Journalismus vergab am 7. November 2007 in Basel zum vierten Mal den Medien-Award für Qualitätsinitiativen. Ausgezeichnet wurden das "Bieler Tagblatt" für ihr Gemeindemonitoring und die Verbesserungen im Bereich Lokaljournalismus sowie die SDA für ihr mehrstufiges Dienstkritik-System.
Geografisch ausgeglichene Berichterstattung
"Qualität ereignet sich im Alltag. Es zählen nicht die Tagungsbeiträge und nicht die Awards, sondern die am Dienstpult und in den Redaktionen gesetzten Impulse. Sie beeindruckten die Jury vor allem in den Fällen, wo die Organisation nicht mit feudalen Budgets ausgestattet, sondern mit der ebenfalls schweizerisch-alltäglichen Bedrängnis des Geldmangels konfrontiert war", begründete Laudator und Jurymitglied Karl Lüönd die Vergabe des Medien-Awards des Vereins Qualität im Journalismus. Die Verleihung fand am 7. November 2007 anlässlich der
Herzberg-Tagung in Basel statt.
Das prämierte Projekt "Gemeindemonitoring" des "Bieler Tagblatts" basiert auf einer Analyse aus dem Jahr 2006, die genauer untersucht, wie das Blatt über die einzelnen Gemeinden im sehr grossen Einzugsgebiet berichtet. Dabei ergab sich, dass manche Gemeinden gar nicht berücksichtigt, andere überrepräsentiert, die Hauptorte Biel und Lyss jedoch entgegen der Einschätzung vieler Leserinnen und Leser publizistisch eher zu wenig berücksichtigt wurden. Die Zeitung gab in zehn mangelhaft abgedeckten Gemeinden Gegensteuer, verbesserte an diesen Orten das Korrespondentennetz und die Kommunikation mit den Korrespondenten. Ausserdem finden seitdem regelmässig Netzwerk-Veranstaltungen mit Behördenvertretern auf der Redaktion statt.
Der Jury des Vereins Qualität im Journalismus gefiel das Konzept, weil es auch kleinere Zeitungen nutzen können. "Das Management der Lokalkorrespondenten wird an manchen Orten vernachlässigt. Einmal mehr fällt das ?Bieler Tagblatt' durch pragmatische und kostensparende, einfache Lösungen auf", so Laudator Karl Lüönd bei der Vergabe.
Organisierte DienstkritikAls zweites Projekt wurde die mehrstufige Dienstkritik der Schweizerischen Depeschenagentur SDA ausgezeichnet. Die Redaktion ist stark dezentral organisiert und umfasst redaktionelle Mitarbeitende in drei Sprachregionen. Der Chefredaktor meldet sich viermal jährlich mit einem Newsletter zu Wort, der stellvertretende Chefredaktor monatlich, die Ressortleiter wöchentlich, und einmal im Quartal wird einem Kunden Gelegenheit zur Kritik gegeben. Darüber hinaus gibt es einen Blog für alle Mitarbeitenden.
"Vorbildlich, dass die organisierte Dienstkritik protokolliert und referiert wird. Hier nimmt der Marktleader seine Verantwortung wahr und setzt Massstäbe", so der Laudator.
Zu den Bewerbern zählte auch Schweizer Radio DRS mit dem von der Jury als "exzellent" gewürdigten Handbuch "Sprechen am Mikrofon", SF TV mit seinen "Publizistischen Leitlinien", die "Aargauer Zeitung"/"Mittelland Zeitung", die mit den Seiten "Piazza" und "Meinung" der journalistischen Analyse, Einordnung und Orientierung in besonderer Weise nachkommt, sowie der Basler Typograf Romano Hänni, der mit einer Analyse "Das Bild in der Zeitung", erschienen in den "Typografischen Monatsheften", grundlegende Einblicke in den Fotojournalismus ermöglicht.
Sämtliche Eingaben sind einer Dokumentation zusammengefasst, die
hier greifbar ist. Sie sollen alle als Anregungen dienen, mit welchen Mitteln zur Erhöhung der journalistischen Qualität beigetragen werden kann.
Jury-Mitglieder waren Sylvia Egli von Matt (Direktorin der Schweizer Journalistenschule MAZ, Luzern), Marco Färber (ehem. Chefredaktor SR DRS, Winterthur), Karl Lüönd (Publizist und Autor, Zürich), Karin Müller (Moderatorin Schweizer Radio DRS, Zürich), Stephan Russ-Mohl, Professor für journalistische Praxis und Redaktionsmanagement, Università della Svizzera italiana, Lugano) und Michael Walther (freischaffender Journalist, Autor, Initiant Medien-Award, Flawil).
*Autor: Michael Walther, Vorstandsmitglied Verein Qualität im Journalismus