Die Weiterbildungslüge?
Unter diesem Titel, natürlich fragezeichenlos, ist bei Campus ein Buch erschienen. Richard Gris, wie sich der Autor nennt, soll ein Insider der Weiterbildungsbranche sein und vertritt die Meinung, dass Weiterbildung nichts bringt, denn "Menschen lassen sich nicht von aussen 'weiterbilden'. Sie ändern sich nur auseigenem Antrieb und nicht, weil es ihnen ein gut bezahlter Coach sagt." (Zitat Klappentext)
In der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) kommt das Buchnicht gut weg. Rezensent Andreas Platthaus hat Mühe mit derdurchgehenden Anonymisierung der Beispiele, mit Gris' Sprache undseinen Pointen. Eine vertane Chance, so Platthaus, sich mit dem ThemaWeiterbildung kritisch zu befassen.
Buchbesprechung der FAZ lesen / Zum Buch bei Campus
Durchausein Bedürfnis, das ist auch meine Meinung. Denn nicht jedeWeiterbildung bildet weiter. Und nicht jeder Mensch lässt sichweiterbilden. Deshalb aber die ganze Branche schlecht zu machen, istauch keine Lösung.
«Ohne Weiterbildung hätte ich vermutlich niewieder gewagt zu schreiben. Heute ist es mein Leben ? und ich möchtekeinen Tag darauf verzichten.» Dieses Statement habe ich für dieBroschüre des Lernfestivals 2008 geschrieben, welches übermorgeneröffnet wird. Anlass dazu ist der nationale Bildungspreis, den ich fürmeine Weiterbildungs-Biographie erhalte.
Biografie D.A. Caviglia (620 KB, pdf)
Allmeine Ausbildungen habe ich auf dem zweiten Bildungsweg gemacht, womitsie streng genommen Weiterbildungen sind. Ich bin der lebende Beweisdafür, dass nicht alle Weiterbildungen Schrott sind. Seit 15 Jahren binich nun selbst als Erwachsenenbilderin tätig. Und auch aus dieserPraxis weiss ich, dass viele das Gelernte proaktiv umsetzen. Viele,aber nicht alle. Einige erweisen sich als verblüffendweiterbildungsresistent.
Man merkt den Schulungsbesuchenden immer an, ob sie sich weiterbilden,um weiter zu kommen, oder ob ihnen die Weiterbildung von der Firmaauferlegt wurde. Das erklärt in den meisten Fällen auch das grosseMotivationsgefälle. Manchmal sind die Teilnehmenden auch einfach müde,schon wieder eine Weiterbildung besuchen zu müssen, die ihnen in dertäglichen Arbeit nicht weiter hilft.
Gegen letzteres gibts ein Heilmittel. Praxis- und aufgabenbezogeneSchulungen direkt im Betrieb. In regelmässigen Abständen durchgeführtund gepaart mit punktueller, individueller Unterstützung jedesEinzelnen ist diese Methode am erfolgversprechendsten. Man kann damitzwar keine Menschen ändern, Unzufriedenheit im Beruf wegradieren oderandere Wunder wirken. Aber man kann effizient Fähigkeiten vermitteln.
Und wenn ich mich nicht irre, sollte ja genau das Ziel jeder Weiterbildung sein...
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