Facebook ist auch nur ein weiteres Postfach. Punkt.

Erinnern Sie sich an die Zeiten, in denen einige Internet-Gurus Filme, Spiele und Animationen als DIE erfolgsversprechende Online-Strategie verkündeten? Und an die Zeiten, in denen Agenturen und Programmierer Unternehmen dringend empfohlen hatten, auf Second-Life präsent zu sein?

In einer solchen Zeit befinden wir uns wieder. Nur dass es diesmal um Social Media geht. Inspiriert von den unzähligen Möglichkeiten, die uns die neuen Plattformen wie Facebook und Twitter liefern, überbieten sich Unternehmen, Berater und Agenturen mit kreativen Ideen. Da werden aufwändige Apps programmiert, Filme produziert und Wettbewerbe lanciert, die Tausende Nutzer innert wenigen Augenblicken erreichen und diese teilweise auch dazu bewegen können, Fan (Abonnent einer Firmenseite auf Facebook) oder Follower (von engl. to follow = folgen, Abonnent eines Twitter-Kontos) zu werden. So hat jüngst ein Unternehmen innerhalb zwei Stunden nach Lancierung seiner Fanpage mit einer Werbeaktion 70 000 Fans gewonnen. Eine schwindelerregende Anzahl.

Als KMU blickt man auf diese Zahl und das Erste, was einem einfällt, ist das unglaubliche Marketingpotenzial, das dahinter steckt. Nüchtern überträgt man in Gedanke bewährte Responseraten auf diese Zahlen und rechnet sich aus, welche Umsatzerhöhung daraus resultieren würde. Wenn denn all diese Fans die Fans des eigenen Unternehmens wären.

Doch wie real ist das? Für KMU? Wo lassen sich die Budgets auftreiben, um derart aufwändige Kampagnen umzusetzen? Wo die Ressourcen, Kampagne und Fans zu betreuen? Und findet ein KMU überhaupt Themen, die derartig grosse Massen nachhaltig zu begeistern mögen?

In den USA werden bereits erste, ernüchternde Studien veröffentlicht. So sinkt die Zahl der KMU, deren Erwartungen bezüglich Social-Media-Präsenzen erfüllt wurden, kontinuierlich. Momentan liegt sie noch bei etwa 50 Prozent (Trends im Online-Marketing für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)). Vielleicht betrachten wir Social Media aus einem falschen Blickwinkel. Aus einem zu hoffnungsvollen, zu enthusiastischen.

Aus eigener Erfahrung kenne ich das Phänomen „Social Media“ länger als der Begriff „Social Media“ existiert. Seit 1997 bin ich nämlich schon in Foren, auf Dating-Websites (so hiessen diese Websites mit vielen Benutzerprofilen früher), in Online-Netzwerken unterwegs. In dieser Zeit habe ich viele nette Menschen kennen gelernt, die ich sonst nie getroffen hätte, Themen diskutiert, zu denen ich sonst nie Diskussionspartner gefunden hätte, als mehrfache Forenleiterin emotionale Wogen geglättet und mit Trollen gekämpft, meinen Schreibstil und meine Konversationsfähigkeit trainiert. Und viel, viel Zeit aufgewendet.

Rückblickend haben all diese Plattformen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Und sie unterscheiden sich auch kaum vom realen Leben. Die grössten Berührungspunkte sind:

  1. Je klarer man sich profiliert, umso eher findet man Kontakte, die zu einem passen und langfristig zu echten und realen Beziehungen werden.
  2. Am aktivsten und lautesten sind die, welche entweder unterbeschäftigt sind oder sich aus beruflichen Gründen mit der Plattform beschäftigen.
  3. Nur nützliche Dinge interessieren langanhaltend. Verliert eine Plattform ihren Nutzen für die Be-Nutzer, wird sie verlassen. Das gilt auch für Kontakte. Wer nur unnütze Informationen verbreitet, verliert sein Netzwerk, oder dessen Aufmerksamkeit, mit der Zeit.

Herabgebrochen bedeutet dies, dass diese drei fundamentalen Anforderungen für Social-Media-Präsenzen gelten:

  • Klar sein, Profil zeigen
  • Knapp halten, dem Benutzer Zeit sparen
  • Nutzen im Fokus, Eigeninteresse ausblenden

Was für ein toller Gedanke! Denn so gesehen sind die meisten Ratschläge, wie Fanpages oder Twitter-Konten zu pflegen seien, die Empfehlungen für aufwändige Kampagnen oder kommunikativem Dauerfeuer, problemlos ignorierbar. Das spart Unternehmen Zeit und Geld. Und Nerven. Eine derart entspannte Social-Media-Strategie würde bedeuten:

  1. Die sozialen Medien können auch einfach nur Postfächer sein. Mit Präsenzen auf vielen Plattformen biete ich Benutzern die Möglichkeit, schnell, direkt und einfach Kontakt mit mir und meinem Unternehmen aufzunehmen. Und zwar von der Online-Plattform aus, auf der sie sich gerade befinden. Alleine das ist bereits eine Dienstleistung, die geschätzt wird. Und die eine Präsenz allemal rechtfertigt.
  2. Wenn ich nützliche Inhalte auf meiner Website anbiete, dann darf ich diese ohne schlechtes Gewissen in meine Social-Media-Präsenzen automatisiert verteilen. So kann mein Leser, meine Leserin entscheiden, ob er oder sie diese Inhalte lieber über meine Fanpage, meine Website oder via Twitter abonniert.
  3. Profile auf Facebook und Twitter, Xing und Linkedin sind Postfächer, an denen nicht nur der Name meines Unternehmens steht. Der grosse Vorteil ist: Ich kann mein Unternehmensprofil klar skizzieren. So kann jeder Interessent selber entscheiden, ob zwischen uns die Chemie stimmen könnte und er mit mir Kontakt aufnehmen will.
  4. Zusätzlich habe ich die Möglichkeit, über die Social-Media-Plattformen schneller und einfacher zu interagieren. Ich kann Fragen stellen, andere loben, ihre Inhalte oder Dienstleistungen weiter empfehlen und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Wenn ich will. Und wenn ich Zeit habe.
  5. Wenn meine Homepage das zulässt, so helfen mir die sozialen Medien bei der Vermarktung. Einmal eingerichtet, bringen mir die sozialen Hilfsprogramme wie Facebook Comments, „Gefällt mir“- und Tweet-Buttons neue Besucher, mehr Aufmerksamkeit und meinen Lesenden einfachere Möglichkeiten, meine Artikel nicht nur zu lesen, sondern auch zu bewerten, zu kommentieren und weiterzuleiten.

Social Media fürs Unternehmen zu nutzen, kann also auch entspannt und lustvoll sein. Ich wünsche Ihnen viel Spass!

Ihre Daniela A. Caviglia

 

So sehen entspannte Social-Media-Strategien aus:

 

Beispiel Social Media Strategie

 

Fachwissen via Social Media verbreiten.

 

Automatisch Content an Facebook und Twitter senden.

Die Visualisierungen sowie weitere Informationen auch in angefügtem PDF.

AnhangGröße
Beispiel_Social-Media-Strategie.pdf1.31 MB

Danke für den Input

Liebe Frau Piepenbrink

Vielen Dank für Ihren Input. Es tut gut, zu sehen, dass ich mit meinen Überlegungen nicht alleine bin.

Grüsse aus der Schweiz, Daniela A. Caviglia

Social Media für KMUs

Hallo Daniela,
Das kann ich nur unterschreiben.
Auch Websites mit zeitaufwändigen Gimmics auf der Startseite erregen eher Missmut denn positive Aufmerksamkeit - es sei denn, sie sind wirklich sehr sehr sehr gut und treffend gemacht.
Gerade potentielle Kunden nutzen die Web-Recherche, weil sie ein Problem haben und auf diesem Weg eine Lösung suchen. Und ob sie dabei auf eine passende Website, ein Forum oder eine Diskussion auf Facebook oder Linked In landen, ist zunächst einmal sekundär. Ich glaube sogar, dass einigen Facebook und Co verdächtig sind. Nach dem Motto: "Plötzlich hat da jemand meine Mailadresse, der mit mir aber wirklich überhaupt nichts zu tun hat."
Als Verbreitungsweg sind die Netze für viele Betriebe vielleicht interessant. Aber die meisten wollen nicht, dass ihre Mitarbeiter dort ihre Zeit "vertrödeln". Da reichen die E-Mail-Accounts vollkommen. Und wie sieht es dann überhaupt mit den betrieblichen Sicherheitsrichtlinien aus?
Ich glaube, gerade bei KMUs wird sich diese Plattform genau wie Sie es sagen vor allem als zusätzliche Kontakt-Möglichkeit durchsetzen, die an die bestehende Kommunikations-Infrastruktur angedockt wird. Das ist auch vollkommen in Ordnung so.

Mit freundlichem Gruß
Doris Piepenbrink
Technische Fachjournalistin

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